Hank Kerns | nowhereland.de
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Ein Mitschnitt von einer der ersten Proben bei Siggi Klietsch zuhause -
kurz vor meinem ersten Auftritt als Bassist in den Apollo Bierstuben,
Moritzstraße, Wiesbaden 1974

Hank Kerns & The Saddlemen -
Hank Kerns and The Rockin' Devils in den 70er Jahren


Als ich Hank 1974 das erste Mal im Domizil singen hörte, war ich mir sicher, daß er ein waschechter Cowboy ist. Optisch war er eine Mischung aus Bill Haley und Johnny Cash, und hatte von Hank Williams den Vornamen. Ein Kerl wie ein Baum, der eine Energie und Kraft ausstrahlte, wie ich sie nicht wieder erlebt habe.
Er war gebürtiger Wiesbadener (26. Juni 1942), sprach aber so gut Amerikanisch mit "Southern Drawl", daß selbst US-Bürger Hans Joachim Kern für einen Landsmann hielten. Er wohnte zur damaligen Zeit bei seiner Mutter Antonie "Toni" Kern in der Kapellenstraße. In der Wiesbadener Gastronomie war er immer ein gern gesehener Gast, und er ließ sich nicht lange bitten, ein paar seiner Lieder zum Besten zu geben. Seine Epiphone Akustik-Gitarre hatte er immer im VW-Bus dabei.

Die älteste Besetzung, die ich kenne, war Hank mit Peter Mondorf (g), Siggi Klietsch (b) und Willi Baumann (dr). Siggi Klietsch war ein routinierter Country-Gitarrist und übernahm bald den Gitarren-Part bei den Saddlemen, Peter Mondorf engagierte sich nun in seiner eigenen Band "Johnny Reb and The Rebels".

Den Bass durfte ich dann probehalber spielen, nachdem ich Hank im Domizil näher kennengelernt hatte. Schon bald darauf folgte der erste öffentliche Auftritt, in den Apollo Bierstuben. Eine Kostprobe kann man sich HIER anhören.

Schon damals hatte Hank seine treuen Fans, und die Apollo Bierstuben füllten sich durch Mund-zu-Mund-Propaganda und gedruckte Handzettel, die Helmut Lammert (Dino Martini) beigesteuert hatte, er arbeitete in einer Druckerei. Der Abend wurde ein Erfolg und am Ende ging ich mit 100 DM Gage nachhause, für mich damals eine Menge Geld!

Für Willi Baumann kam zunächst Wolfgang Hartmann als Drummer dazu. In dieser Besetzung sind wir mit einem Country Programm in allen möglichen US Clubs in ganz Deutschland aufgetreten. Auf der folgenden Aufnahme kann man sich davon überzeugen, daß unsere amerikanischen Freunde keine Kinder von Traurigkeit waren!
Hanau Rocker Haven 1975

Diese Besetzung löste sich aus Zeitgründen relativ bald auf, Siggi war damals oft mit anderen Bands unterwegs und Wolfgang Hartmann stilistisch eher in der härteren musikalischen Richtung tätig. Da stellte uns Manager Lothar Pohl die Herren Hauke und Schell vor, einer aus der Berliner Szene, der andere Ludwigshafener Gitarrenheld, auf der Suche nach einer neuen musikalischen Heimat. Beide waren sofort von Hanks urwüchsigem Sound und seiner Authentizität begeistert. Nichts, was dieser Mann nicht wußte oder kannte, wenn es um seine Musik ging. Und er kannte einige der ganz Großen persönlich, hatte mit Bill Haley und den Comets auf einer Deutschland-Tour den Bass gespielt, als dessen Bassist krankheitsbedingt ausfiel. Da konnte man sogar noch was lernen! Man nannte sich nach Chuck Berrys Around and Around The Rockin' Devils und änderte das Programm zu einer fetzigen modernen Rock 'n' Roll Show, beeinflußt von Bill Haley, Elvis Presley, Johnny Cash und den Rolling Stones. Aber auch einige Country Stücke (Originalton Hank: "Nümmerken...") und Instrumental-Stücke z.B. von den Shadows, Remo Four und Chet Atkins waren Bestandteil des 3-stündigen Programms.

Zwischenzeitlich formierten die Rockin' Devils die Band BLITZ um den Sänger Lothar Pohl. Es gab auch einige wenige Auftritte, aber letztendlich konnte man als Musiker davon nicht leben. Bernd Schell ging schließlich nach England, um dort sein musikalisches Glück zu suchen, da das Semi-Profi-Musikerleben bei Hank Kerns und BLITZ ihn auf Dauer nicht ausgelastet hat. Leider hat er in Great Britain eine Menge Pech gehabt und konnte seine Pläne nicht verwirklichen. Nach Ludwigshafen zu den Eltern zurückgekehrt, war er nicht mehr derselbe, wirkte desillusioniert und hatte sich auch äußerlich verändert. Er hat auch weiterhin versucht, Musiker zu finden, die ähnliche Vorstellungen hatten wie er. Zu erwähnen wäre noch seine Gruppe "The Moon", mit der Bernd Schell nur wenige Auftritte hatte. Danach hat er ein Studium begonnen, sich dann aber nur wenige Monate später - völlig unerwartet - das Leben genommen.

Zunächst übernahm Gerd Schneider den Gitarrenpart, später dann Knut Engemann. Ende der 70er Jahre war ich aus gesundheitlichen Gründen gezwungen, die Band zu verlassen. Mein Nachfolger war zunächst Hajo von "Puma und den Beutelratten" und schließlich Erich Wagner, der einige Jahre später auf tragische Weise ums Leben kam. Das war dann das Ende der alten "Rockin' Devils".
Später trat Hank unter dem Namen "Hank Kerns & The Devils" auf.
Siggi Klietsch weilt nicht mehr unter den Lebenden, wie ich in Erfahrung bringen konnte.
Michael Hauke lebt heute wieder in Berlin.
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